Kohlekraftwerk Niederaußem
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Neue Studie Kohlekraftwerke ersetzen lohnt sich

Stand: 30.11.2023 05:02 Uhr

Fast alle Kohlekraftwerke weltweit könnten bis 2030 durch eine Kombination aus Fotovoltaik, Windkraft und Batteriespeicher ersetzt werden. Auch finanziell würde sich der Umstieg lohnen, so das Ergebnis einer neuen Energie-Studie.

Von Nick Schader, SWR

Die Studie "Switch coal profitably to renewable energy" kommt zu dem Ergebnis, dass die Stilllegung von rund 90 Prozent der weltweit etwa 2.500 Kohlekraftwerke dem Klimaschutz erheblich nutzen würde und zugleich auch profitabel sei. Demnach könnten dadurch rund 25 Prozent der klimaschädlichen Kohlendioxidemissionen im Energiesektor bis 2030 eingespart werden. An der Studie beteiligt waren Experten unter anderem des "Zero Emission Think Tanks", des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und weiterer internationaler Forschungseinrichtungen.

Um die Stromproduktion der Kohlekraftwerke zu ersetzen, sollten möglichst an gleicher Stelle Fotovoltaik- und Windkraftanlagen sowie Stromspeicher errichtet werden. Somit könnten die bestehenden Anschlüsse an das Stromnetz weiter genutzt werden, wodurch Planung und Bau schneller und billiger würden. Die benötigten Batteriespeicher wurden für die Berechnungen so konzipiert, dass sie die Schwankungen bei Sonnenschein und Wind ausgleichen könnten.

Der Umstieg lohnt sich auch in Deutschland

Auch in Deutschland würden sich die Abschaltungen lohnen - nicht nur für den Klimaschutz. Laut der Studie könnten alle untersuchten 58 Kohlekraftwerke in Deutschland profitabel ersetzt werden. Dafür wären zwar zunächst Investitionen in Erneuerbare Energien von gut 120 Milliarden Euro nötig.

Über 30 Jahre Laufzeit ließen sich dadurch allerdings erhebliche Gewinne erzielen, aufgrund der billigeren Stromproduktion durch Sonne und Wind. Für Deutschland stehe nach 30 Jahren ein Plus von mehr als 550 Milliarden Euro. Die jetzigen Mitarbeiter der Kohlekraftwerke sollten dabei für den Aufbau der Fotovoltaik- und Windkraftanalagen weiter beschäftigt werden, schlagen die Autoren vor.

Sonnen- und Windstrom am billigsten

Die Forschenden gehen davon aus, dass sich der Ersatz der Kohlekraftwerke in fast allen Ländern der Erde finanziell lohnen würde. Hintergrund sei, dass in fast allen Ländern die Stromerzeugung aus Sonne und Wind billiger sei als Kohlestrom. So könne man in der EU und auch in Deutschland Strom aus erneuerbaren Quellen mittlerweile für rund drei bis vier Cent pro Kilowattstunde produzieren. Die Produktionskosten für Kohlestrom in der EU lägen im Durchschnitt rund dreimal höher.

In anderen Ländern, wie China oder Indien, sei Kohlestrom zwar billiger, dafür sei dort aber auch der Ertrag aus Fotovoltaik-Anlagen höher - aufgrund von mehr Sonnenstunden und -intensität. Dadurch würde sich unter dem Strich fast überall die Abschaltung der Kohlekraftwerke rentieren. Konkret könnten weltweit rund 2.300 der 2.500 Kohlekraftwerke gewinnbringend ersetzt werden.

Zehn Gigatonnen weniger CO2

Für fast alle der mehr als 70 untersuchten Länder kamen die Forschenden zum gleichen Ergebnis - für knapp 1.200 Kohlekraftwerke in China ebenso wie für Indien (274), die USA (202) oder Polen (43). Der Präsident der Weltklimakonferenz, Sultan Ahmed al-Jaber, fordert Einsparungen von 22 Gigatonnen CO2 pro Jahr, um das 1,5-Grad-Ziel für die Welt in Reichweite zu halten.

Durch den Ersatz der fossilen Kohlekraftwerke durch Erneuerbare könnten pro Jahr fast zehn Gigatonnen CO2 eingespart werden, was etwa einem Viertel der globalen Emissionen entspricht, so die Autoren. Über 30 Jahre gerechnet würden sich in allen Ländern zusammen durch den Umstieg Gewinne von insgesamt fast sechs Billionen Euro erzielen lassen.

In einer früheren Fassung hieß es, dass zehn Gigatonnen CO2 etwa einem Viertel der Emissionen in der Stromproduktion entsprechen. Das ist nicht korrekt: Sie entsprechen etwa einem Viertel der globalen Emissionen. Wir haben das entsprechend korrigiert.

Mehr zum Hintergrund dieser und anderer Korrekturen finden Sie hier: tagesschau.de/korrekturen

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. November 2023 um 11:12 Uhr.