Kräne ragen über einem im Bau befindlichen Mehrfamilienhaus auf | Bildquelle: picture alliance / Daniel Naupol

Preise und Umsatz steigen Wohnungsbau boomt - nicht mehr lange

Stand: 10.01.2018 11:51 Uhr

Die enorme Nachfrage nach neuen Wohnungen hat die Baupreise im Herbst stark steigen lassen. Die Baufirmen freuten sich über Umsatzsprünge. Doch Wirtschaftsforscher des DIW erwarten ein Ende des Neubaubooms. Dafür nennen sie mehrere Gründe.

Der Bauboom in Deutschland hat im Spätherbst die Preise für den Wohnungsbau ebenso wie die Umsätze der Baufirmen stark steigen lassen. Im November verteuerte sich der Neubau von Wohngebäuden um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Das war der höchste Anstieg seit zehn Jahren, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Im Jahresdurchschnitt 2017 lag die Zuwachsrate bei 3,0 Prozent.

Baubranche steigert Umsätze deutlich

Bauarbeiter läuft über eine Baustelle | Bildquelle: picture alliance / Marijan Murat
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Der Bauboom verhilft den Baufirmen zu Umsatzsprüngen.

Von den steigenden Preisen profitierte die Baubranche. Im Oktober lagen die Umsätze um 4,5 Prozent über dem Vergleichswert des Vorjahres. Im Zeitraum von Januar bis Oktober 2017 errechnete das Statistische Bundesamt sogar ein Umsatzplus von 5,6 Prozent gegenüber demselben Zeitraum des Jahres 2016. Wegen der großen Nachfrage entstanden auch neue Jobs. Die Zahl der Beschäftigten lag im Oktober 2,1 Prozent höher als ein Jahr zuvor.

Das Bauhauptgewerbe, das den Bau von Häusern, Straßen und Leitungen umfasst, profitiert schon länger vom Immobilienboom. 2016 war der Umsatz der Branche das sechste Jahr hintereinander gestiegen. Für das Gesamtjahr 2017 werden die höchsten Erlöse seit 20 Jahren erwartet.

DIW erwartet Ende des Neubaubooms

Allerdings deutet auch vieles darauf hin, dass diese Entwicklung nicht in gleicher Weise weitergeht. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) veröffentlichte eine neue Prognose, derzufolge das Wachstum im Wohnungsneubau 2018 und 2019 "stark an Dynamik verlieren und der Boom der vergangenen Jahre ein Ende finden" wird.

Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank lässt der Studie zufolge bereits jetzt die Zinsen für Baukredite steigen, was den Preisanstieg auf den Immobilienmärkten der größten deutschen Städte verlangsamen werde. Auch die erheblich gestiegenen Bodenpreise bremsen laut DIW vor allem den Bau von Eigenheimen. Die Zahl der Baugenehmigungen stagniere zudem seit einiger Zeit.

Mehr Investitionen in Modernisierungen

In der Folge erwartet das Institut, dass sich in nächster Zeit die Bautätigkeit stärker auf Modernisierungsarbeiten verlagern werde - etwa auf die energetische Gebäudesanierung. Die Zuwachsraten bei Arbeiten an bestehenden Gebäuden werden der DIW-Prognose zufolge von 4,7 Prozent im vergangenen Jahr auf 7,4 Prozent im Jahr 2019 steigen. Bei Wohnungsneubau erwarten die Forscher dagegen, dass sich nach der enormen Steigerungsrate von 12,9 Prozent im vorigen Jahr der Zuwachs 2018 auf acht Prozent und 2019 auf vier Prozent verlangsamen wird.

Insgesamt geht das DIW daher davon aus, dass die Baufirmen ihre Umsätze im Wohnungsbau in Deutschland bis 2019 auf 243,3 Milliarden Euro steigern werden - das wäre ein Drittel mehr als 2014. Daher kommen die Wirtschaftsforscher auch zum Ergebnis, dass die Baubranche die Konjunktur in Deutschland weiter anschieben werde.

Das in Berlin ansässige DIW erstellt die Studie zur Entwicklung der Bauwirtschaft jedes Jahr im Auftrag des Bundesbauministeriums und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung.

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