SPD-Personalquerelen Flensburgerin fordert Nahles heraus

Stand: 13.02.2018 19:19 Uhr

Überraschende Wende in der Personaldebatte der Sozialdemokraten: Am späten Montagabend hat die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD) angekündigt, sich für das Amt der SPD-Bundesvorsitzenden zu bewerben. Das geht aus einem Brief der 41-Jährigen an den Bundesvorstand der Sozialdemokraten hervor, der dem NDR vorliegt. Lange würde somit gegen die Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles antreten. Das SPD-Parteipräsidium nominierte Nahles am Dienstagabend einstimmig für den Parteivorsitz. Die Wahl soll am 22. April auf einem Parteitag in Wiesbaden stattfinden. Nachdem Martin Schulz auf der Sitzung sein Amt als Parteivorsitzender niedergelegt hatte, ernannte der SPD-Parteivorstand Hamburgs Olaf Scholz zum kommissarischen Parteivorsitzenden.

"Gefühl der Ohnmacht ist nachzuvollziehen"

Lange kritisiert in ihrem Brief die SPD-Führung: "Ich kann das Gefühl der Ohnmacht vieler Mitglieder gegenüber denen, die in Berlin Entscheidungen treffen, ohne die Basis einzubeziehen, sehr gut nachvollziehen." Das Amt der Bundesvorsitzenden der SPD sei "von weitreichender Bedeutung für die gesamte Partei und das gesamte Land und darf nicht von einer kleinen Gruppe intern festgelegt werden", führt Lange weiter aus.

Wahl statt Einzel-Kandidatur

Die Flensburger Oberbürgermeisterin fordert eine offene Diskussion, wer die Partei künftig führen soll. "Eine Einzel-Kandidatur, die von Funktionsträgerinnen und -trägern beschlossen und ohne große Diskussion durchgewunken wird, kann kein Zeichen für einen Aufschwung oder einen Neuanfang sein", meint Lange. Sie möchte mit ihrer Kandidatur der SPD eine Wahl ermöglichen. "Das wäre ein erster Schritt, den Mitgliedern wieder das Gefühl zu geben, dass sie es sind, die die Stimmung und die Richtung der Partei bestimmen."

Lange: Erst Kripo-Beamtin, dann Abgeordnete

Lange stammt aus Thüringen. Ihre Arbeit als Kriminalbeamtin führte sie vor fast 20 Jahren nach Flensburg. Hier lebt die verheiratete Mutter von zwei Kindern mit ihrer Familie. Seit gut einem Jahr leitet die 41-Jährige die Flensburger Stadtverwaltung. Bei der Wahl zur Oberbürgermeisterin unterstützten sie damals CDU, Grüne und Linke. Schon im ersten Wahlgang erhielt sie die absolute Mehrheit der Stimmen, trotz dreier Gegenkandidaten. Vorher war sie SPD-Landtagsabgeordnete. Lange, die seit 2003 in der SPD ist, wirkte auch in der Kommunalpolitik mit. Vor zwei Jahren engagierte sie sich intensiv bei der Betreuung von Flüchtlingen.

Nachfolge für Martin Schulz gesucht

Schleswig-Holsteins Landeschef und Bundesvize Ralf Stegner reagierte zurückhaltend auf Langes Vorstoß. In einer Pressemitteilung teilte er mit, dass das Mitgliedervotum jetzt im Vordergrund stehen müsse. Man werde sich zeitnah in den SPD-Gremien des Landesverbandes mit Lange über ihre Kandidatur austauschen, so Stegner.

Dithmarscher Diedrich bringt sich ins Gespräch

Auch der stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende aus Dithmarschen, Dirk Diedrich, möchte gegen Nahles antreten. Er kritisiert, die Partei treffe Personalentscheidungen von oben herab. Er wünscht sich ein anderes Verfahren. Sollte eine breite Basis aus den Ortsverbänden ihn unterstützen, würde er sich auf dem Bundesparteitag ebenfalls zur Wahl stellen. Der Berufschullehrer ist auch Mitglied im Landesvorstand der Sozialdemokraten.

Dieses Thema im Programm:
NDR 1 Welle Nord | 13.02.2018 | 22:00 Uhr

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