Theresa May und Angela Merkel während einer Pressekonferenz in Berlin | Bildquelle: dpa

May bei Merkel Freundlich, aber unkonkret

Stand: 16.02.2018 21:05 Uhr

Die britische Premierministerin May hat sich mit Bundeskanzlerin Merkel über ihre Brexit-Pläne ausgetauscht. Geduldiger wird Merkel nach dem Treffen in Berlin aber nicht sein.

Von Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio

Es war ein Gesprächsmarathon für Angela Merkel. Erst der Gast aus Italien, dann aus Polen. Am Ende steht die Kanzlerin mit Theresa May vor den Kameras im Kanzleramt. Großbritanniens Premierministerin wirkt angespannt. Es geht nicht voran im Brexit-Prozess zwischen Großbritannien und der EU.

"Keine schöne Lage, oder?", wird die Kanzlerin gefragt. Merkel atmet tief durch: "Ich bin nicht frustriert", sagt sie, "aber neugierig, wie sich Großbritannien die Partnerschaft vorstellt, und natürlich haben wir auch Interessen." Und diese Interessen Berlins und Brüssels liegen nicht zwangsläufig auf einer Wellenlänge mit London.

May bringt wenig Neues

May zählt tapfer die Historie der engen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Großbritannien auf und geht dabei zurück bis zum Handel zwischen den englischen Häfen und den Hansestädten im 12. Jahrhundert.

An diesen Beziehungen solle der Brexit möglichst wenig ändern, meinen May und Merkel unisono. Doch wie das funktionieren soll, dazu kommt vom britischen Gast wenig Neues. Freundlich im Ton, unkonkret in der Aussage.

London muss liefern

Die Kanzlerin versucht, der Premierministerin ein wenig aus der Patsche zu helfen. Sie sehe in den britischen Forderungen bei den Brexit-Verhandlungen "nicht zwingend eine Rosinenpickerei", sagt sie. Es müsse letztlich "eine faire Balance" geben.

Doch auch Merkel macht klar: London muss liefern. "Wir wollen den Zeitplan einhalten", betont die Kanzlerin. Die EU wartet zunehmend ungeduldig auf Details, wie sich Großbritannien die rund zweijährige Übergangsphase nach dem Brexit 2019 vorstellt. Das dürfe keine Einbahnstraße werden, sagt May in Berlin, sondern gleichermaßen vorteilhaft für die EU, für Deutschland und für Großbritannien.

Aber wie das funktionieren soll - da bleiben die Fragezeichen zahlreich wie zuvor. Aus Berlin geht es für die Premierministerin weiter zur Münchner Sicherheitskonferenz. Denn als Partner in der europäischen Sicherheit will London der EU der 27 - ungeachtet des Brexits - möglichst erhalten bleiben.

May bei Merkel - Kanzlerin macht Druck und versucht den Brückenbau
Angela Ulrich, ARD Berlin
16.02.2018 20:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Februar 2018 um 00:00 Uhr.

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