Bei der Massenpanik bei der Loveparade waren 2010 21 Menschen ums Leben gekommen.  | Bildquelle: dpa

Loveparade-Prozess Der Richter drückt aufs Tempo

Stand: 08.12.2017 18:38 Uhr

Der Stoff für den Prozess um die Loveparade-Katastrophe ist riesig. Das Gericht steht dabei unter Zeitdruck. Zum Auftakt testeten sich die Beteiligten in einem außergewöhnlichen Gerichtssaal gegenseitig.

Von Frank Bräutigam, ARD-Rechtsexperte, zzt. Düsseldorf

Es ist ein ungewöhnlicher Rahmen für ein Gerichtsverfahren: "Landgericht Duisburg, Außenstelle", steht auf den Schildern vor und im Gerichtssaal, der auf die Düsseldorfer Messe ausgelagert wurde. Der Saal ist riesig. Normalerweise finden hier Kongresse oder Hauptversammlungen statt.

Jetzt ist hier der Ort für einen der wichtigsten Prozesse der vergangenen Jahrzehnte. 500 Menschen haben hier Platz. Auf der einen Seite des Saals gehen am Morgen mit ihren Anwälten immer mehr der insgesamt 60 Nebenkläger hinein, also Opfer der Loveparade-Katastrophe oder ihre Angehörige. Viele Umarmungen sind zu sehen. Es ist ein emotionaler Tag.

Weit entfernt auf der anderen Seite des Saals sitzen die zehn Angeklagten und ihre rund 30 Verteidiger. Überraschend ist: Die Zuschauerplätze dazwischen sind nicht voll besetzt. Nur 45 Besucher sind gekommen. Auch die vielen Presseplätze sind nicht komplett gefüllt.

Gericht und Verteidigung testen einander

Mit gewisser Verspätung zieht das Gericht ein, die Formalitäten beginnen. Wer im Saal spricht, wird automatisch von den kleinen Kameras an der Decke erfasst und auf drei große Leinwände projiziert, damit alle Beteiligten jedes Wort gut mitbekommen. Bis auf kleine technische Anfangsprobleme funktioniert das gut.

Der Beginn eines Prozesses ist auch immer ein gegenseitiges Abtasten, vor allem zwischen Gericht und Verteidigung. So auch heute. In den ersten Wortmeldungen versucht man auszutesten: Ist der Vorsitzende Richter vielleicht unsicher, oder aufbrausend? Ist er nicht. Er bleibt ruhig und freundlich, etwa, als lange darüber diskutiert wird, ob manche Zuschauer den Saal verlassen sollen, weil sie als spätere Zeugen in Betracht kommen.

Richter stellt Antrag zurück

Prozess zur Loveparade-Katastrophe | Bildquelle: AFP
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Der Gerichtssaal wurde in die Düsseldorfer Messehallen ausgelagert.

In einem so großen Prozess folgt nach den Formalia selten sofort die Verlesung der Anklage. Meistens hat die Verteidigung verschiedene Anträge zum Verfahren vorbereitet. Das ist ihr gutes Recht. Als ein Anwalt der Nebenklage von "Rechtsmissbrauch" spricht, ist die Stimmung kurzzeitig angespannt.

Die Frage nach den Anträgen ist dann stets: Wird der Prozess unterbrochen, ohne dass am ersten Tag die Anklage verlesen wird? Erkennbar ist heute: Der Vorsitzende Richter drückt durchaus aufs Tempo. Einen Befangenheitsantrag gegen zwei Ersatzschöffen lässt er zwar verlesen. Aber: die Entscheidung darüber stellt er zurück. Für einen weiteren Antrag erteilt er das Wort erst gar nicht. Der könne laut Gesetz ja noch später gestellt werden, nach der Anklage. Vorrang habe zunächst das "Informationsinteresse der Öffentlichkeit und der Schöffen".

Das Protokoll der Katastrophe

Um 16 Uhr ist es dann soweit, die Anklage wird verlesen. Es ist still im Saal, als der Staatsanwalt die Ereignisse des 24. Juli 2010 zusammenfasst. Wer im Duisburger Baudezernat und beim Veranstalter "Lovapent" - aus Sicht der Anklage - etwas falsch gemacht hat bei Planung, Genehmigung und Kontrolle der Loveparade. Quintessenz: Die Veranstaltung hätte man so nie genehmigen dürfen.

Von der extremen "Menschenverdichtung" auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs ist die Rede: Sieben Personen auf einem Quadratmeter, das habe dramatische Auswirkungen gehabt. 21 Namen der Todesopfer zählt der Staatsanwalt auf, dazu die schweren Verletzungen weiterer Opfer.

Wie kam es zu der Katastrophe?
tagesschau24 11:30 Uhr, 08.12.2017, Ute Konrad, ARD-aktuell

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Ein Prozess unter Zeitdruck

Das Gericht muss nun unter anderem prüfen, ob ein Zusammenhang besteht zwischen den möglichen Fehlern der Angeklagten und der Katastrophe mit ihren Todesfällen. Diese sogenannte "Kausalität" ist juristisch eine knifflige Angelegenheit. Der Prozessstoff ist ohnehin riesig.

Dabei steht das Gericht unter Zeitdruck. Ende Juli 2020, also in rund zweieinhalb Jahren, verjähren die Vorwürfe endgültig. Die Opfer und Angehörigen verlangen gründliche Aufklärung, wer juristisch verantwortlich war und wer nicht. Gleichzeitig haben die Angeklagten das Recht auf einen fairen Prozess. Ein schwieriges Spannungsfeld für das Gericht. Kommenden Mittwoch geht es weiter, in der Außenstelle des Landgerichts Duisburg, in den Düsseldorfer Messehallen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 08. Dezember 2017 um 11:30 Uhr.

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