Mesale Tolu nach ihrer Freilassung | Bildquelle: dpa

Journalistin Tolu freigelassen "Müde, aber glücklich"

Stand: 19.12.2017 09:31 Uhr

Für die deutsche Journalistin Tolu war es eine Überraschung, doch nun ist sie glücklich über ihre Freiheit nach sieben Monaten in türkischer Haft. Sie war am Abend freigelassen worden. Zuvor musste sie noch Stunden wegen widersprüchlicher Anweisungen auf einer Polizeiwache zubringen.

Nach sieben Monaten im Gefängnis hat sich die deutsche Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu erleichtert über Freilassung am Abend gezeigt.

Dies sei für sie überraschend gekommen, weil sich in der Türkei "nicht immer das Recht durchsetzt", sagte Tolu. Sie kritisierte ihre Behandlung durch die türkischen Behörden.

Deutsche Journalistin Mesale Tolu aus türkischer Haft entlassen
tagesthemen 22:15 Uhr, 18.12.2017, Katharina Willinger, ARD Istanbul

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Verwirrspiel nach Freilassung

Ebenso verärgert äußerte sich Tolu darüber, dass sie nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis zunächst nacheinander in mehrere Polizeiwachen gebracht wurde. Grund waren offenbar widersprüchliche Anweisungen. Tolus Anwältin Gülhan Kaya erklärte, die Anti-Terror-Einheit der Polizei habe Tolus Abschiebung angeordnet. Zuvor hatte das Gericht allerdings ein Ausreiseverbot bis zu einem Urteil in dem Verfahren gegen die Deutsche verhängt. Die widersprüchlichen Anordnungen sorgten nach Angaben der Anwältin für Verwirrung auf der Wache.

Unklar war zunächst auch, auf welche Polizeiwache in Istanbul Tolu gebracht worden war. Die Familie und der deutsche Botschafter Martin Erdmann fuhren verschiedene Polizeistationen auf der Suche nach ihr ab. Erdmann zeigte sich empört über die türkischen Behörden: "Die spielen mit uns ein Versteckspiel."

Am Abend konnte Tolu in Begleitung ihrer Familie eine Polizeistation im Istanbuler Stadtteil Fatih verlassen. Nach Informationen der Linken-Bundestagsabgeordneten und Prozessbeobachterin Heike Hänsel gilt nun das Ausreiseverbot.

Mehr als sieben Monate im Gefängnis

Tolu hatte mehr als sieben Monate im Frauengefängnis im Istanbuler Stadtteil Bakirköy eingesessen. Anfangs war auch ihr dreijähriger Sohn bei ihr, der später zu Angehörigen gebracht wurde.

Das Gericht entließ Tolu am Montag zwar aus der Untersuchungshaft, doch der Vorwurf der Mitgliedschaft in der linksextremistischen MLKP bleibt bestehen. Diese gilt in der Türkei als Terrororganisation. Bei einem Urteil drohen Tolu bis zu 15 Jahre Haft.

Tolus Anwältin Kader Tonc erklärte, die Freilassung ihrer Mandantin zeige, dass die Justiz nichts gegen Tolu in der Hand habe. "Nun hat selbst der Staatsanwalt ihre Freilassung beantragt, denn er hat gesehen, dass die Anschuldigungen gegen sie nicht haltbar waren", erklärte Tonc. "Wir sind glücklich, dass Mesale heute zumindest frei gelassen wird, und wir werden weiterhin juristisch dafür kämpfen, dass auch ein Freispruch folgt."

Tolus Vater Ali Riza Tolu bezeichnete sie als politisches Faustpfand. Sie sei Journalistin mit einer kritischen Meinung gegenüber der türkischen Regierung. Das und ihr deutscher Pass seien ihr quasi zum Verhängnis geworden. 

Freiheit auch für Yücel gefordert

Tolu wuchs in Ulm auf und besitzt allein die deutsche Staatsbürgerschaft. Ihre und weitere Festnahmen sorgten dafür, dass die ohnehin bereits strapazierten deutsch-türkischen Beziehungen an einen weiteren iefpunkt gelangten.

Tolu äußerte die Hoffnung, dass nun auch der "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel freigelassen wird. "Wir sind beide Journalisten, die dem Staat ein Dorn im Auge sind", sagte die 33-Jährige. "Ich hoffe, dass auch er so bald wie möglich seine Freiheit genießen kann." Deniz Yücel gehört zu nun noch acht Deutschen, die in der Türkei aus politischen Gründen in U-Haft sitzen und deren Freilassung die Bundesregierung fordert.

Der Berliner Peter Steudtner war Ende Oktober aus türkischer U-Haft entlassen worden und durfte nach Deutschland reisen.

Tolus Ehemann Suat Corlu saß ebenfalls mehr als ein halbes Jahr in U-Haft, auch ihm wird die Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation vorgeworfen. Er darf bislang die Türkei nicht verlassen und muss sich regelmäßig bei der Polizei melden.

Mit Informationen von Katharina Willinger, ARD-Studio Istanbul

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 18. Dezember 2017 um 22:15 Uhr.

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