Südafrikas Präsident Zuma muss sich erneut einem Misstrauensvotum im Parlament stellen. | Bildquelle: AFP

Südafrika Warten auf Zumas Rücktritt

Stand: 12.02.2018 11:06 Uhr

Der Rückzug des südafrikanischen Präsidenten ist lange angekündigt, doch Jacob Zuma lässt sich mit seinem Abschied Zeit. Die Geduld der Opposition ist am Ende. Sie will den Druck erhöhen.

Von Leonie March, Johannesburg

Südafrika hat eine aufreibende Woche hinter sich. Geprägt von Spekulationen und Dementis, entscheidenden Terminen, die angesetzt und wieder abgesagt wurden, und der alles beherrschenden Frage, wann der ANC den skandalumwitterten Jacob Zuma endlich zum Rücktritt bewegen kann.

Doch die Regierungspartei hält sich bedeckt. Alle Statements der letzten Tage laufen auf die gleiche Losung hinaus. "Ich möchte hier nicht über Rücktritt sprechen, sondern lieber bei der offiziellen Sprachregelung eines Übergangs bleiben", betont ANC-Sprecher Pule Mabe.

Die Bevölkerung ist mit der Geduld am Ende

"Wie unser Parteichef Cyril Ramaphosa ja bekannt gegeben hat, gehen diese Gespräche gut und konstruktiv voran. Und angesichts der Sorgen in der Bevölkerung versuchen wir sie so schnell wie möglich abzuschließen", so der Parteisprecher weiter.

Viele Südafrikaner sind jedoch mit ihrer Geduld am Ende. Frustration und Ärger wachsen. "Der ANC spielt nur mit uns Bürgern", sagt ein Mann aus Soweto und bringt damit die allgemeine Stimmung auf den Punkt. "Präsident Zuma müsste eigentlich wissen, dass es höchste Zeit ist zurückzutreten. Wir Bürger leiden unter dieser Unsicherheit und auch seine eigene Partei ist mit dieser Situation nicht zufrieden. Sie sind nicht die glückliche Familie, die sie uns vorspielen."

Cyril Ramaphosa | Bildquelle: AP
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ANC-Chef Cyril Ramaphosa hält sich noch bedeckt.

Die Opposition erhöht den Druck

Tatsächlich ist die innere Zerrissenheit des ANC neben den taktischen Spielchen Zumas, der offenbar noch um den besten Deal für seinen Abtritt feilscht, wohl der Hauptgrund dafür, warum sich der Machtwechsel so quälend lang hinzieht.

Die Oppositionsparteien erhöhen nun den Druck: mit einem Aufruf zu landesweiten Protesten und der Forderung, das bereits geplante Misstrauensvotum gegen Zuma im Parlament vorzuziehen.

Nächster möglicher Termin: Sonntag

"Alle Parteien haben dem ANC bis jetzt großzügig Zeit eingeräumt", meint der Fraktionschef der Demokratischen Allianz, John Steenhuisen. "Aber wenn die Regierungspartei bis Sonntagnacht noch immer keine Lösung gefunden hat, geht diese Krise wirklich zu weit. Dann muss das Parlament einschreiten. Wir können es nicht weiter zulassen, dass eine einzige Partei alle demokratischen Institutionen in Geiselhaft nimmt."

Entsprechend fieberhaft setzt der ANC die sogenannten Übergangsgespräche nun anscheinend fort. Alle öffentlichen Termine der Parteispitze wurden abgesagt. Bis auf einen: Sonntagnachmittag soll ANC-Chef Ramaphosa bei einer Kundgebung zum Auftakt des Mandela-Jahrs in Kapstadt eine Rede halten. Und wieder spekuliert Südafrika, dass Zuma vorher nun wirklich seinen Hut nehmen müsse.

Südafrika in der Wartestarre - Das Ringen um Zumas Rücktritt
Leonie March, ARD Johannesburg
09.02.2018 23:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Februar 2018 um 06:23 Uhr.

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