Die Ziele der Hilfsorganisation Oxfam auf einem Schild. | Bildquelle: REUTERS

Ex-Managerin klagt an Nötigungsvorwürfe gegen Oxfam-Mitarbeiter

Stand: 13.02.2018 14:19 Uhr

Die frühere Oxfam-Managerin Helen Evans erhebt schwere Vorwürfe gegen die Hilfsorganisation: Mitarbeiter sollen Frauen in Notlagen zum Sex gegen Hilfsgüter gezwungen haben - ohne interne Konsequenzen.

Ein erklärtes Ziel von Oxfam ist die Geschlechtergerechtigkeit - doch momentan ist der Hilfsorganisationsverband vor allem durch Berichte präsent, dass Mitarbeiter gegen dieses Ziel verstoßen haben. Helen Evans, eine frühere Topmanagerin bei Oxfam, berichtet nun von Nötigungen während Hilfseinsätzen: Im Interview mit dem britischen Sender Channel 4 sagte sie, Mitarbeiter hätten Frauen in Notlagen zu sexuellen Handlungen gezwungen.

Evans war von 2012 bis 2015 "Head of Safeguarding" bei der Organisation, zu deren Aufgaben Schutz vor sexueller Ausbeutung gehört.

Schwere Vorwürfe gegen Oxfam-Manager
tagesthemen 22:15 Uhr, 13.02.2018, Julie Kurz, ARD London

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Mitarbeiter sollen die Notlage von Frauen ausgenutzt haben

Bei einer Befragung von 120 Oxfam-Mitarbeitern in drei Ländern habe mehr als ein Zehntel der Befragten berichtet, Vergewaltigungsversuchen durch Oxfam-Mitarbeiter ausgesetzt gewesen zu sein oder Zeuge sexueller Nötigungen gewesen zu sein.

Allein im Südsudan hätten sich vier Personen entsprechend geäußert, schildert Evans in dem Interview. Als sie ihren Bericht den Vorgesetzten vorstellen wollte, sei ihr eine Stunde vor dem Meeting gesagt worden, sie werde "nicht mehr gebraucht", in ihrem Bericht sei bereits alles enthalten, was habe gesagt werden müssen. In einer E-Mail soll Oxfams Generaldirektor Mark Goldring ihr geschrieben haben, die Vorfälle seien beunruhigend, aber es gebe nichts, was man als Gruppe in dieser Situation beitragen könne.

Mark Goldring | Bildquelle: STR/EPA-EFE/REX/Shutterstock
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Mark Goldring

Später entschuldigte sich Goldring bei Evans, nicht schnell genug auf ihre Hinweise reagiert zu haben.

Oxfam Deutschland: "Fehlverhalten einiger weniger"

Auch bei Hilfseinsätzen von Oxfam soll es zu Übergriffen gekommen sein, berichtet Evans: Binnen 24 Stunden habe sie Kenntnis von drei Fällen erlangt, in denen bedürftige Frauen von Mitarbeitern zu sexuellen Handlungen genötigt worden seien - in zwei Fällen im Austausch gegen Hilfsgüter. Zudem seien drei Vorwürfe von Kindesmissbrauch an sie herangetragen worden. Auch diesen Vorfällen sei Evans zufolge vonseiten der Organisation nur ungenügend nachgegangen worden.

Die Mehrheit aller Oxfam-Mitarbeiter übe ihre Tätigkeit tatkräftig und redlich aus, betonte Evans in einer auf Twitter veröffentlichten Mitteilung. Doch "in einer privilegierten Macht- und Vertrauensposition wird es immer eine Minderheit geben, die dieses Vertrauen für ihren persönlichen Vorteil missbraucht".

"Die Vorfälle sexuellen Fehlverhaltens von Oxfam-Mitarbeitern sind unentschuldbar und beschämend", teilte die Geschäftsführerin von Oxfam Deutschland, Marion Lieser, mit. "Es ist nicht zuletzt ein Schlag ins Gesicht für die vielen Menschen, die Oxfam mit Geld, Zeit oder Sachspenden unterstützen." Das Vertrauen sei durch "Fehlverhalten einiger weniger" massiv beschädigt worden.

Skandal um Prostituierten-Orgien in Krisengebieten

Die britische Oxfam-Vizechefin Penny Lawrence war gestern nach Berichten zurückgetreten, dass Oxfam-Mitarbeiter bei Kriseneinsätzen in Haiti und im Tschad Partys mit Prostituierten veranstaltet hätten. Sie übernehme damit die "volle Verantwortung" für das Verhalten der Männer, teilte Lawrence mit.

Zuvor hatte die Londoner "Times" berichtet, Oxfam habe zwei Mitarbeiter nach Haiti entsandt, obwohl bereits Vorwürfe gegen sie im Raum standen. Darunter sei auch der Landesdirektor für Haiti gewesen. Dieser sei zwar zusammen mit einer Handvoll weiterer Mitarbeiter nach einer internen Untersuchung 2011 entlassen worden, eine interne Aufarbeitung des Skandals habe es jedoch nicht gegeben.

In einer Twitter-Botschaft verkündete Oxfam International, der Verband wisse, "dass wir noch viel mehr zu tun haben, um unsere Kultur zu ändern und Belästigung, Missbrauch und Ausbeutung zu verhindern". Man hoffe, das Vertrauen all derer wieder herzustellen, die noch immer an die Mission von Oxfam glaubten.

Üer dieses Thema berichteten am 13. Februar 2018 Deutschlandfunk um 11:42 Uhr und NDR Info um 16:38 Uhr.

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