Kommentar

Internationale Geberkonferenz Der Irak braucht mehr als nur Geld

Stand: 12.02.2018 20:16 Uhr

Es ist richtig, den Irak zu unterstützen, obwohl das Land dank Öl nicht arm ist. Doch die Hilfe muss an Bedingungen geknüpft werden: Versöhnung und Kampf gegen Korruption.

Ein Kommentar von Jürgen Stryjak, ARD-Studio Kairo

Drei Jahre lang wurde rund ein Drittel des Irak von den Terroristen des sogenannten Islamischen Staates beherrscht. Diese Phase ist weitestgehend Geschichte. Die Dschihadisten wurden aus Mossul vertrieben, zuvor aus der Provinz Anbar westlich von Bagdad sowie aus etlichen anderen Teilen des Landes. Das ist ein Erfolg - einer, der allerdings damit erkauft wurde, dass fast alle diese Landstriche verwüstet wurden: Wohnhäuser, Industrieanlagen, Schulen, Straßen und Brücken liegen in Trümmern.

Für den Wiederaufbau wird viel Geld benötigt. Die internationale Geberkonferenz in Kuwait ist richtig, sie beschäftigt sich nicht nur mit einer innerirakischen Krise, sondern mit einer, die auch das Ausland angeht. Denn wo Menschen aus ihrem Elend befreit werden, dort verringert sich auch das Risiko, dass diese Menschen extremistischen Rattenfängern auf den Leim gehen, die am Ende auch das Ausland bedrohen.

Zuerst muss Korruption bekämpft werden

Aber Moment! Ist der Irak aufgrund seiner Ölvorkommen nicht bereits jetzt schon ein vergleichsweise reiches Land? Kann es seinen Wiederaufbau nicht selber bezahlen?

Wer zum Beispiel durch das weithin runtergekommene Bagdad fährt, der fragt zwangsläufig: Wo bleibt eigentlich das viele Geld aus dem Ölverkauf? Iraker beantworten diese Frage zumeist nur mit einem Wort: Korruption. Über dunkle Kanäle würden sich die Eliten hemmungslos bereichern.

Das ist eines der drängendsten Probleme, die gelöst werden müssen. Auf der Konferenz hat die Regierung nun versprochen, die Korruption schonungslos zu bekämpfen. Bislang kann man nur hoffen, dass dies auch geschieht. Dass vor wenigen Tagen ein Anti-Korruptions-Aktivist im Irak zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt wurde, ist kein gutes Zeichen.

Bedingungen für Geldvergabe nötig

Aber es gibt noch ein Problem: Seit Jahren versucht die schiitische Bevölkerungsmehrheit, den Irak zu dominieren. Die Sunniten fühlen sich zu recht diskriminiert. Aber sie sind es, die am meisten Hilfe nötig haben, denn beim Kampf gegen den IS wurden ihre Gebiete verwüstet. Damit die Gelder also die Bedürftigen erreichen, muss es im Irak statt Machtkämpfe eine nationale Versöhnung und vertrauensbildende Maßnahmen zwischen den Bevölkerungsgruppen geben.

Investoren und Geber aus dem Ausland täten gut daran, die Bereitstellung von Geldern an Bedingungen zu knüpfen, die diese Probleme auch berücksichtigen.

Kommentar zur internationalen Geberkonferenz für den Irak in Kuwait
Jürgen Stryjak, ARD Kairo
12.02.2018 16:29 Uhr

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Dieser Kommentar lief im Deutschlandfunk am 13. Februar 2018 um 19:12 Uhr.

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