Helikopter-Drone des Herstellers Schiebel

Aufträge vor Vergabe Helikopter-Drohnen für die Bundeswehr

Stand: 04.01.2018 17:33 Uhr

Das Verteidigungsministerium will in den kommenden Wochen einen Auftrag für neue Helikopter-Drohnen für die Marine vergeben. Auch das Heer soll solche Systeme bekommen. Kritiker befürchten den Einstieg in die Beschaffung autonom handelnder Tötungsmaschinen.

Von Christian Thiels, tagesschau.de

Gewaltige Felsformationen in unwirtlich-wildem Gebirge. Aus der Perspektive der Bundeswehr-Piloten mutet Afghanistan fast schon romantisch an. Im Tiefflug suchen sie einen Landeplatz für ihre Hubschrauber. Doch geeignetes Gelände gibt es kaum und je verlockender eine vermeintlich passende Stelle, desto größer das Risiko, dass auch Taliban-Kämpfer sie als Hinterhalt nutzen könnten.

Es sind solche Szenarien, die die Bundeswehr bewogen haben, für das Heer die Beschaffung von unbemannten Minihubschraubern untersuchen zu lassen. Die könnten dann beispielsweise potenzielle Landezonen vorab auskundschaften. Tagesschau.de liegt die entsprechende Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion vor.

Dort liest sich das dann so: "Die Aufklärung von möglichen Landeplätzen für Hubschrauber durch ferngesteuerte unbemannte Luftfahrzeuge erhöht die Sicherheit von Passagieren und Besatzungen und trägt dadurch maßgeblich zum Erfolg des Einsatzauftrags bei." Deshalb benötige das Heer diese Systeme, so die Argumentation der Streitkräfte.

Bis zu sechs Stunden in der Luft

Bei der Marine ist man schon einen Schritt weiter. Seit Jahren fordert die Admiralität den Kauf solcher Systeme. Nun soll schon in den kommenden Wochen ein entsprechender Auftrag erteilt werden, erklärte das Wehrressort in seinem Schreiben an die Linksfraktion. Die Marine will die ferngesteuerten Helikopter vor allem zu Aufklärungszwecken auf ihren Schiffen stationieren. Sie können bis zu sechs Stunden in der Luft bleiben. Ein Vorteil gegenüber Maschinen mit Besatzung, wie etwa dem "Sea Lion" von Airbus Helicopters, den die Marine als neuen Hubschrauber für ihre Fregatten bekommen soll. Der kann laut Airbus lediglich vier Stunden unterwegs sein.

Auch für die Landstreitkräfte der Bundeswehr ist eine Weiterentwicklung des Einsatzes unbemannter Fluggeräte laut Ministerium "zwingend notwendig". Im Oktober hatte die Bundeswehr von der Firma ESG Testflüge mit dem Modell R-350 der schweizerisch- schwedischen Firma UMS Skeldar durchführen lassen. Der R-350 ist ein rund 150 Kilo schwerer und drei Meter langer ferngesteuerter Hubschrauber ohne Besatzung. Hierbei seien vor allem die Fähigkeit des "vertikalen Start- und Landevorgangs und der Schwebeflug über einem Aufklärungsobjekt Faktoren, die sie von den übrigen in der Bundeswehr verwendeten Starrflügler-Drohnen unterscheiden".

"Zunehmende Robotik bereitet mir Sorgen"

Anders formuliert: Die aktuellen Drohnen der Streitkräfte können nicht das, was man sich von den unbemannten Helikoptern erhofft. Die könnten in Zukunft auch mit Sensoren ausgestattet werden, die Sprengstoffe oder Chemiewaffen erschnüffeln. Für das Ministerium sind dies allerdings noch Zukunftsvisionen. Im Schreiben heißt es: "Die noch fehlende technologische Reife der Sensorik lässt absehbar eine Überführung dieser konzeptionellen Überlegungen in Fähigkeiten der Bundeswehr nicht zu."

Die Linkspartei sieht die Überlegungen der Bundeswehr kritisch. Der Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko etwa befürchtet, dass sich der Bestand an Drohnen von derzeit rund 800 Systemen in naher Zukunft deutlich erhöhe: "Sorge bereitet mir auch die zunehmende Robotik", so Hunko. Die Hubschrauberdrohnen flögen zudem autonom oder teilautonom. "Dies bestätigt unsere Kritik, dass die Kriegsführung mit unbemannten Systemen auch zu mehr Automatisierung kriegerischer Handlungen führt", sagt Hunko.

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