Ein Passagier sitzt in einem Ehang 184, einem autonomen Fluggerät, das als Flugtaxi konstruiert wurde.  | Bildquelle: REUTERS

Techkonferenz SXSW in Austin Das Taxi der Zukunft fliegt

Stand: 10.03.2018 08:22 Uhr

Geht es nach einem chinesischen Unternehmen, werden Taxi-Nutzer Staus in Großstädten bald in Passagierdrohnen überfliegen. Wie weit solche Ideen schon sind, zeigt eine Technologiekonferenz in den USA.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Am liebsten würde Derrick Xiong noch in diesem Jahr seine Flugtaxis in Deutschland anbieten. Ein Büro in Düsseldorf hat der Co-Gründer des chinesischen Flugtaxi-Herstellers Ehang bereits. Der CSU-Politikerin Dorothee Bär, die im Kanzleramt künftig für die Digitalisierung zuständig ist und kürzlich im Netz wegen einer Bemerkung zum Einsatz von Flugtaxis gescholten wurde, bietet er sogar an, sie auf einem Flug mitzunehmen. Von München nach Berlin. "Hallo Dorothee, ich würde Dich gerne in meinem Flugtaxi von München nach Berlin fliegen", sagt Xiong auf der South By Southwest-Konferenz (SXSW) in Austin, Texas.

Scherz beiseite. Das chinesische Unternehmen Ehang hat schon mehrere Dutzend batteriebetriebene Flugtaxis produziert. Sie sehen aus wie Drohnen - nur eben größer. Sie können aus der Ferne gesteuert werden und bieten Platz für zwei Personen. Als Passagier benötigt man keine Flugkenntnisse. Reichweite und Flughöhe sind gering. Gerade mal 30 Kilometer kann man damit zurücklegen und maximal auf 300 Meter steigen.

Die Chinesen möchten vor allem in verstopften Großstädten dem Auto Konkurrenz machen. In diesem Jahr soll ein großer Feldversuch in China starten, sagt Xiong. "Wir haben nicht reiche Menschen im Blick. Ein Flugtaxi wird soviel kosten wie ein vernünftiges Auto. Machen Sie sich über den Preis keine Gedanken." 

Viele Tech-kritische Stimmen

Pamela Pavliscak bleibt da lieber am Boden. Die Wissenschaftlerin beschäftigt sich mit der Frage, welche Wichtigkeit neue Technologien in unserem Auto einnehmen. Unsere Fahrzeuge werden in den kommenden Jahren mit Hilfe künstlicher Intelligenz deutlich schlauer werden. Sie beobachten unsere Mimik, unsere Augenbewegung, warnen uns, wenn wir einzuschlafen drohen. Sie können unsere Stimmung erkennen, sie denken mit oder nehmen uns das Denken ab.

Doch die New Yorkerin, die auch Autohersteller berät, ist skeptisch, ob nicht zu viel Technologie in kommenden Auto-Generationen die Menschen abschreckt. "Wir werden erleben, dass das viele Menschen ablehnen. Sie sagen, das ist nicht das Produkt, das ich haben möchte, weil ich mich als Mensch nicht mehr darin erkennen kann."  Solch technologiekritische Stimmen sind in diesem Jahr auf der SXSW häufiger zu hören. Man zuckt schon allein deshalb mit den Ohren, weil diese Stimmen nicht etwa von Europäern kommen, sondern von Amerikanern. 

Privatjets für die breite Masse

Sergey Petrossov ist in Moskau geboren, ist aber Armenier und lebt mittlerweile in Florida. Der 30-Jährige will mit seinem Unternehmen das Fliegen mit Privatjets für eine breite Masse erschwinglich machen. Dank moderner Logistik und einer App. "Sie bekommen einen tollen Service geboten. Zehn Minuten vor dem Abflug gehen Sie zum Flugzeug, Sie trinken Champagner."

800 Dollar kostet ein einfaches Flugticket von New York nach Florida. Dann kann man an Bord eines kleinen Jets steigen. Normalerweise würde das Chartern solch einer Maschine um die 15.000 bis 20.000 Dollar kosten. Gebucht wird per Handy-App. Ähnlich wie beim Fahrtdienstleister Uber. Natürlich hat man das Flugzeug nicht für sich alleine. Durch eine höhere Auslastung will Petrossov Tausende Privatjets in den USA anbieten und vor allem bisherigen Business- oder First-Class-Passagieren Alternativen anbieten.

Mittlerweile heben seine von ihm gecharterten Jets in den USA bis zu 100 Mal am Tag ab. Es gibt allerdings einen kleinen Haken: einen jährlichen Mitgliedsbeitrag. Der liegt bei 15.000 Dollar.  

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 9. März 2018 um 11:09 Uhr.

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